Als Zivi in der Diakoniestation

 

Das Wort „Zivi“ steht nicht im Duden – jeder kennt aber wohl  diese gängige Abkürzung für „Zivildienstleistender“.
Die Diakoniestation Schneverdingen-Neuenkirchen schätzt sich glücklich, zwei Zivis zu haben:
Martin Röhrs aus Insel ist seit dem 1. Juli dabei,
Tim Fietkau aus Schneverdingen hat seinen Dienst am 1. Oktober  aufgenommen.
Die zwei wollten auf keinen Fall „Kriegsdienst“ an der Waffe tun. Martin hat schon seine Lehre als Werkzeugmechaniker abgeschlossen.
Tim kommt direkt von der Schulbank, in diesem Jahr hat er das Abi bestanden.
Beide gehören nun für neun Monate zum Team der Diakoniestation – Grund genug, ihnen einmal über die Schulter zu schauen:

Heute ist Mittwoch. Der Tag beginnt wie immer um acht Uhr morgens mit dem Aufschließen und Lüften der Büroräume,
dem Ausräumen der Geschirrspülmaschine, mit einem Blick auf den Wochenplan, in dem steht,
was heute anliegt und einer Nachfrage bei der Pflegedienstleitung, ob etwas Unvorhergesehenes hinzugekommen sei.
Das ist heute nicht der Fall – doch, ja, auf dem Bürgersteig vor dem Haus und auf dem Hof muss schnell Schnee gefegt werden,
es ist halt Winter. Gegen neun Uhr fährt Martin zur Bank und zur Post, alltägliche Wege, auf die das Büropersonal sich verlassen kann.
Anschließend holt er mit dem für Rollstühle geeigneten  Bus Herrn A. aus der Heideresidenz (Seniorenheim in Neuenkirchen) ab.
Herr A. muss zum Arzt. Martin bringt ihn in die Praxis und holt ihn später wieder nach Hause ab,
nicht ohne Zwischenstopp in der Apotheke, wo gleich das Rezept eingelöst wird.
Herr A. erzählt Martin von seinen Schmerzen und ist dankbar für Martins Teilnahme.
Zurück in der Diakoniestation wartet auf Martin noch eine Aufgabe: Er deckt die Tische für die Veranstaltung am heutigen Nachmittag.

Und Tim? Der hat keine Langeweile, denn pünktlich um neun Uhr ist er bei der 84jährigen Frau B.
Tim macht bei ihr sog. „Betreuung in der Häuslichkeit“. Der Abwasch wartet, nein, der muss noch ein paar Minuten länger warten,
zuerst unterhält Tim sich ein wenig mit der alten Dame. Wie geht es ihr heute? Wie schön, dass der Sohn am Sonntag zu Besuch war!
Und was gab’s gestern im Fernsehen? Frau B. schaut vom bequemen Sessel aus zu, wie Tim Staub wischt,
den Teppich saugt und die Topfblumen gießt. Wie gut, dass Tim flink ist, so bleibt noch etwas Zeit,
das wichtigste aus dem Lokalteil der Schneverdinger Zeitung vorzulesen.

Zum Mittagessen geht’s nach Hause, doch um 14 Uhr sind unsere beiden Zivis zur Stelle,
um wie jeden Mittwoch den Fahrdienst für die Dementenbetreuung zu übernehmen.
Mit Bus und PKW werden die zu Betreuenden aus Schneverdingen, Insel, Wesseloh und Delmsen abgeholt,
manch einer von ihnen sitzt im Rollstuhl. Martin und Tim bringen alle bis an den gedeckten Kaffeetisch.
Heute sind sie nicht während der Betreuung dabei, derweil helfen sie bei der Büroarbeit, bis es gegen 18 Uhr an der Zeit ist,
den alten Leuten in die Jacken und Mäntel zu helfen und sie dann wieder heimzubringen.

19 Uhr, Feierabend. Heute hat’s länger gedauert. An anderen Tagen ist dafür früher Schluss,
denn die wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden wird eingehalten.

Zum Abschluss habe ich noch eine persönliche Frage: Wie fühlt Ihr Euch hier?
Wie gefällt Euch Euer Zivildienst in der Diakoniestation? „Es macht Spaß, mit den Menschen umzugehen“, betont Martin,
der nicht ganz ohne Erfahrung hier angetreten ist, denn auch seine Oma muss im Rollstuhl sitzen. Tim freut sich,
dass die Kollegen nett sind, dass „ein gutes Klima im Umgang miteinander herrscht,
und dass ich viele neue Eindrücke bekomme und Begegnungen habe, die einfach wertvoll sind!“

(
Dorothea Schmidt)